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Nachhaltigkeitsstrategien

Verzicht, weniger, anders?

Problem erkannt, Gefahr gebannt?! Wie begegnen wir nun eigentlich den Nachhaltigkeits- und Klimaherausforderungen? Hierzu gibt es verschiedene Ansätze, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen sollen. Da die Probleme insbesondere auf den immensen Materialverbrauch zurückzuführen sind, setzten diese Ideen auch an diesem an. Sie nennen sich Suffizienz-, Effizienz- und Konsistenzstrategie. Dabei unterscheiden
sich die drei Strategien teils deutlich voneinander:

Weniger von allem – Die Effizienzstrategie

Wir kennen diese Strategie alle, auch wenn wir sie nicht explizit als Effizienzstrategie wahrnehmen. Sie ist vor allem dadurch geprägt, dass der Energie- und Materialverbrauch reduziert werden soll. Weniger Treibstoffverbrauch, weniger Abfall, weniger Konsum. Eigentlich weniger von allem. Es geht also um eine rein mengenmäßige Betrachtung von Stoffströmen, um den Materialverbrauch auf ein ökologisch tragfähiges Niveau abzusenken. Dies spiegelt sich mittlerweile in allen gesellschaftlichen Bereichen wider. Alles muss effizienter werden. Produkte sollen mit weniger Materialeinsatz hergestellt werden, gleiche Arbeit mit weniger Personal erbracht werden. Ein stetiger Wettlauf gegen die Zeit, der am Ende nicht zum Ziel führen kann. Warum? Weil weder die eingesetzten Materialien, noch der Einsatzzweck an sich hinterfragt werden. Was nützt es, wenn wir den Treibstoffverbrauch eines Fahrzeugs um einen Liter pro 100 Kilometer reduzieren, wenn wir weiterhin Benzin verwenden und damit klimaschädliche Gase in die Umwelt abgeben? Oder weniger Kunststoffverpackungen für ein Produkt verwenden, wenn diese Verpackung dadurch schlechter wiederverwendet werden kann und weiterhin krebserregende und fortpflanzungsbeeinträchtigende Inhaltstoffe enthält?

Rebound-Effekt

Darüber hinaus haben viele Untersuchungen gezeigt, dass ein reduzierter Materialeinsatz sogar zum genauen Gegenteil führen kann: Nämlich den Gesamtverbrauch zu erhöhen, statt ihn zu reduzieren. Denn durch einen geringeren Materialeinsatz und verbesserte Produktionsabläufe sinkt der Preis für ein Produkt. Dieses können sich nun mehr Menschen leisten und so steigt die Nachfrage. Das Phänomen wird Rebound-Effekt genannt.

Das gute Leben – Die Suffizienzstrategie

Diese Strategie wird überwiegend als Ergänzung zur Effizienz gesehen, da der Material- und Energieverbrauch trotz Effizienzmaßnahmen aus den oben genannten Gründen weiter stark ansteigt.

Die Suffizienz setzt dabei sowohl auf der Ebene jedes Einzelnen als auch auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene an und fordert einen kulturellen Wandel, der das aktuelle Konsumverhalten hinterfragt. An die Stelle des „immer-mehr-haben-wollens“ soll Genügsamkeit treten und eine zentrale Frage gestellt werden: Was macht (m)ein gutes Leben aus? Es geht somit nicht einfach nur um Verzicht – was wir eher mit negativen Gefühlen verbinden – sondern darum, uns selbst darüber klar zu werden, was uns im Leben wichtig ist. Beispielsweise gelingende Beziehungen, Freundschaften oder in der Natur zu sein.

Beide Ansätze – die Effizienz und die Suffizienz – zielen auf eine mengenmäßige Verringerung des Rohstoffverbrauchs ab und sind idealerweise gemeinsam zu verfolgen.

Nicht weniger, sondern anders – Die Konsistenzstrategie

Entgegen der beiden voran genannten Strategien, steht bei der Konsistenzstrategie nicht die Menge im Vordergrund, sondern die Qualität der eingesetzten Materialien. Problem ist, dass das heutige Wirtschaftsmodell linear aufgebaut ist, also Rohstoffe der Erde entnommen, zu Produkten verarbeitet und nach ihrem Gebrauch auf den Müll geworfen werden. Die Produkte sind in diesem System meist nicht so gestaltet, dass sie nach dem Gebrauch bedenkenlos erneut für etwas Neues verwendet werden können. Daher versagt das aktuelle Recyclingsystem. Viele Kunststoffe werden beispielsweise zu minderwertigen Produkten verarbeitet oder gleich ganz verbrannt.

Somit führt effizientes und suffizientes Handeln maximal zu einer Verlangsamung des Rohstoffverbrauchs. Dessen Endlichkeit bleibt damit jedoch weiterhin problematisch.

Darüber hinaus enthalten unsere heutigen Produkte problematische Inhaltsstoffe, die nicht für eine Wiederverwendung und den Kontakt mit uns Menschen und der Umwelt gemacht sind. Diese Stoffe können krebserregend oder hormonell wirksam sein und führen so beispielsweise zu Allergien oder Unfruchtbarkeit.

Daher steht die Konsistenz für völlig neu gestaltete Produkte, die so beschaffen sind, dass diese in kontinuierlichen Kreisläufen gehalten werden können. Verbrauchsprodukte (zum Beispiel Kleidung und Kosmetik), die mit Mensch und Umwelt in Kontakt kommen, müssen demnach so gestaltet sein, dass sie ungiftig sind und irgendwann kompostiert werden können (biologischer Kreislauf). Gebrauchsprodukte (zum Beispiel Elektrogeräte und Möbel), sollten wiederum so gestaltet sein, dass die einzelnen Komponenten sortenrein getrennt werden können. Die verschiedenen Materialien können dann immer wieder in einem neuen Produkt verarbeitet werden (technischer Kreislauf). Abfall würde dadurch nicht mehr entstehen, denn alles wird wieder zu etwas Neuem. Als Vorbild dient hierfür die Natur, denn diese kennt ebenfalls keinen Abfall.

Praktische Arbeiten zu dieser Strategie gehen beispielsweise von der Circular Economy und Cradle to Cradle aus.

Und nun?

Am Ende müssen wir alle drei Strategien gemeinsam denken. Nur so lassen sich unsere Ziele erreichen. Wir können uns immer wieder die Frage stellen, ob wir wirklich das neueste Handy benötigen oder schon wieder neue Kleidungsstücke einkaufen „müssen“. Wird unser Leben dadurch wirklich „besser“? Die Produkte, die wir dennoch benötigen, müssen entweder in biologischen oder technischen Kreisläufen zirkulieren können. Und wenn diese dann auch noch möglichst effizient hergestellt sind – perfekt!