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Nachhaltigkeit & Gerechtigkeit

Was hat Nachhaltigkeit mit Gerechtigkeit zu tun?

Die Natur zeigt uns Grenzen auf. Diese ökologischen Grenzen, auch planetare Grenzen (englisch: planetary boundaries) genannt, signalisieren uns Menschen, dass ein unendliches materielles Wirtschaftswachstum und die damit angestrebte Bedürfnisbefriedigung nicht möglich sind. Geht es nach den konventionellen Ansichten in der Politik und den Wirtschaftswissenschaften, benötigen wir nur genug Wirtschaftswachstum, um allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Doch da die Produktion immer mit Ressourcenverbrauch einhergeht und der Materialverbrauch (insbesondere bei steigender Produktion) nicht ausreichend entkoppelt werden kann, führt dies unweigerlich zu einer Knappheit. Somit rückt die Frage nach einer gerechten Verteilung der Ressourcen und Produkte unweigerlich in den Mittelpunkt einer ernstgemeinten Nachhaltigkeitsdiskussion.

Denn bei einer nachhaltigen Entwicklung geht es immer um die Bedürfnisbefriedigung. Dies bezieht sich sowohl auf die Bedürfnisse zwischen allen heute lebenden Menschen (intragenerationelle Gerechtigkeit genannt) als auch auf die Bedürfnisse zwischen allen zukünftig lebenden Menschen (intergenerationelle Gerechtigkeit genannt). Die intra- und intergenerationelle Gerechtigkeit bedeutet einerseits, dass sowohl zwischen den heute lebenden Menschen die Ressourcen und Möglichkeiten gerecht Verteilt werden sollen, andererseits aber auch noch genug Ressourcen übrig bleiben müssen, damit unsere Kinder und Enkelkinder ebenfalls die gleichen Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung haben. Aber nicht nur die positiven Effekte bedürfen einer gerechten Verteilung. Auch die negativen Folgen des Handelns einer Generation müssen gerecht verteilt werden.

Zwei Beispiele intra- und intergenerationeller Gerechtigkeit

  1. Für die Nutzung von elektrischen Geräten muss Strom erzeugt werden. Dieser wird beispielsweise in einem Atomkraftwerk produziert und kommt den heute lebenden Menschen zugute. Dieser aktuelle Vorteil wird dann von zukünftigen Generationen in Form von radioaktivem Abfall bezahlt. Die negativen Folgen werden also auf zukünftige Generationen abgewälzt.
  2. Die Art des Wirtschaftens in den Ländern des Globalen Nordens hat in den vergangenen 150 Jahren so viel CO2 in die Atmosphäre abgegeben, dass der Ausstoß für zukünftige Generationen drastisch limitiert werden muss. Auch müssen zukünftige Generationen mit den dadurch ausgelösten und unumkehrbaren Veränderungen zurechtkommen.


Der Gerechtigkeitsbezug des Nachhaltigkeitsverständnisses führt natürlich zu einer Vielzahl von Fragen: Welche Bedürfnisse sollen befriedigt werden können und wer entscheidet darüber? Haben verschiedene Menschen nicht auch verschiedene Bedürfnisse? Wer kann wissen, welche Bedürfnisse zukünftige Generationen haben werden? Wer vertritt das Interesse der nachkommenden Generationen im jetzigen Aushandlungsprozess? Wie soll eine gerechte Verteilung aussehen und wie wird sie erreicht?

Um diese und weitere Fragen zu beantworten bzw. einen gewissen Rahmen zu definieren, innerhalb dessen eine grundlegende Bedürfnisbefriedigung für alle möglich ist, wurde die Rio-Konferenz „Weltgipfel“ von 1992 ausgerichtet. Ergebnisse dieser Konferenz waren unter anderem die Klimaschutz- und die Artenschutzkonvention, die Deklaration von Rio über Umwelt und Entwicklung sowie die Agenda 21, in der diverse Ziele für eine nachhaltige Entwicklung festgelegt wurden.

Sustainable Development Goals

Seit 2016 ist die vollständig neu ausgehandelte Agenda 2030 - besser bekannt als Sustainable Development Goals (SDGs) – in Kraft, in der sich die Weltgemeinschaft auf 17 Hauptziele für eine nachhaltige Entwicklung verständigt hat.

Die 17 Hauptziele der Sustainable Development Goals

  1. Armut in jeder Form und überall beenden.
  2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.
  3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.
  4. Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.
  5. Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen.
  6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.
  7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern.
  8. Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.
  9. Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen.
  10. Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern.
  11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen.
  12. Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen.
  13. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.
  14. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen.
  15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen.
  16. Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.
  17. Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben.