Seiteninhalt

Kunststoffe

Vermeidung von Plastik im Alltag

Erste Kunststoffe wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden. Doch erst mit dem Einsatz von Rohöl als Ausgangsstoff zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Bedeutung von Kunststoffen und erfuhr ab Beendigung des zweiten Weltkriegs einen regelrechten Siegeszug. Mittlerweile werden jedes Jahr weltweit circa 350 Millionen Tonnen Plastik produziert.

Aufgrund der hohen Produktionsmengen einerseits und der extremen Langlebigkeit von Kunststoffen andererseits, ergeben sich immer größere umweltrelevante Probleme, die zum Teil erst in jüngster Zeit zunehmend Beachtung finden. So geraten beispielsweise ca. 5 bis 13 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr auf vielfältige Art und Weise in die Weltmeere, wo sie als Kunststoffe selbst, aber auch in Kombination mit anderen chemischen Schadstoffen erhebliche Umweltauswirkungen verursachen.

Umweltauswirkungen von Kunststoffen

So verfangen sich Tiere beispielsweise in verlorengegangenen Fischernetzen und anderem Treibgut aus Kunststoff oder reisen als blinde Passagiere auf diesen über die Weltmeere in Regionen, in denen ihre Artgenossen normalerweise nicht vorkommen. Eine Vielzahl von Meerestieren und Vögeln gerät über die Nahrungsaufnahme in den tödlichen Kontakt mit Plastik. Hierbei verwechseln die Tiere die Plastikteile entweder mit ihrer Nahrung, oder nehmen diese wiederum indirekt über ihre Beute auf. Die bildgewaltige Dokumentation »Albatross« von Chris Jordan sei an dieser Stelle empfohlen.

Darüber hinaus beeinträchtigen Additive (Stoffe, die dem Kunststoff beigefügt werden, um eine bestimme Eigenschaft zu erzielen) beispielsweise die Fortpflanzung, können Krebs auslösen und das Hormonsystem beeinflussen. Auch ziehen Kunststoffpartikel chemische Schadstoffe an sich, die dann wiederum über die Nahrung in den Organismus gelangen und sich dort anreichern. Schlussendlich gelangen diese Schadstoffe auch in unseren Körper und können zu Hormonstörungen, Fortpflanzungsstörungen und Krebs führen.

Neben diesen enormen Problemen trägt die Herstellung von Kunststoffen auch zum Klimawandel bei. Denn während des gesamten Lebenszyklus, von der Gewinnung der Rohstoffe, über die Produktion und Weiterverarbeitung der Kunststoffe, bis hin zur Entsorgung, wird sehr viel CO2 freigesetzt. Allein im Jahr 2019 entstehen dadurch ca. 850 Millionen Tonnen CO2, soviel wie 136 Kohlekraftwerke. Bis 2050 könnten durch die Produktion und Entsorgung von Plastik bis zu 56 Gigatonnen in die Atmosphäre gelangen. Das ist rund ein Siebtel des gesamten Kohlenstoffdioxid-Budgets, das die Erde überhaupt noch bis zum Einhalten des 1,5 Grad Ziels verkraften kann.

Es ist also höchste Zeit, unseren Kunststoffkonsum gründlich zu überdenken und entsprechend zu handeln. Auch wenn Kunststoffe aus unserem alltäglichen Leben kaum noch wegzudenken sind und ein kompletter Verzicht extrem schwierig erscheint, können wir dennoch mit einigen wenigen Verhaltensänderungen und bewussten Entscheidungen bereits einen großen Teil unseres persönlichen Plastikkonsums vermeiden. Nachfolgend sind einige Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich dies im Alltag für jede und jeden Einzelnen umsetzen lässt.


Vermeidung von Einwegprodukten

Einwegprodukte mögen teilweise praktisch sein – sie sind leicht und auch kurzfristig zu beschaffen (beispielsweise auf dem Weg zu einem Grillabend im Park). Sie gehen andererseits aber auch sehr schnell kaputt und sind letztendlich teurer, als Mehrwegartikel zu verwenden. Darüber hinaus nutzen wir Plastiktüten, -geschirr und -trinkhalme meist nur wenige Minuten, bevor wir sie entsorgen. Gelangen sie in die Umwelt, zerfallen sie dort nur sehr langsam und verbleiben so bis zu 500 Jahre in der Natur.

Die Europäische Union hat das Problem erkannt und zu Beginn des Jahres 2019 eine Reihe von Maßnahmen gegen die Plastikvermüllung auf den Weg gebracht, die ab 2021 in Kraft treten. Hierunter fällt auch ein Verbot verschiedener Einwegprodukten wie beispielsweise Einweggeschirr und Trinkhalme. Dennoch fallen längst nicht alle Einwegprodukte unter das Verbot.


Alternativen beim Einkauf

Um den Plastikkonsum zu reduzieren, lohnt sich auch die Umstellung des bisherigen Einkaufsverhaltens:

  • In herkömmlichen Discountern ist es oft schwieriger, unverpackte Produkte zu finden und somit Kunststoffe einzusparen. Obst und Gemüse lässt sich alternativ auch auf dem Wochenmarkt oder dem örtlichen Gemüsehof einkaufen. Obst und Gemüse besitzt in den meisten Fällen eine eigene hinreichend dicke Schale, die als natürliche Schutzschicht dient. Eine zusätzliche Verpackung ist daher nicht nötig. Sollen es ein paar Teile mehr werden, oder handelt es sich um Salat oder andere empfindliche Lebensmittel, lassen sich diese mit einem Mehrwegobst und -gemüsebeutel transportieren.
  • Und auch bei Getränken sollte darauf geachtet werden, diese in Mehrwegflaschen zu kaufen, anstelle von Einwegflaschen. Für unterwegs bieten sich darüber hinaus Trinkflaschen an, die sich an jedem Wasserhahn wieder befüllen lasse. Generell stellt sich bei Wasser die Frage, weshalb man bei jedem Einkauf kistenweise Wasser durch die Gegend tragen sollte?! Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, jede Woche Kiloweise abgepacktes Wasser vom Supermarkt zum (meist) Auto zu tragen, zu Hause womöglich noch die Treppen hinauf zu schleppen, den Stauraum bereitzustellen und beim nächsten Einkauf die ganzen leeren Flaschen wieder mitzunehmen… und das Spiel beginnt von vorn. Unser Leitungswasser ist qualitativ besser als jedes abgefüllte Mineralwasser und dazu noch unglaublich günstig. Selbst das günstige Discounterwasser summiert sich (bei einem Verbrauch von 1,5 Litern pro Person und Tag und einem 3-Personen-Haushalt) auf 208 €. Das Leitungswasser kostet nicht einmal 3 €!
  • An der Fleisch- und Käsetheke lässt sich ebenfalls Plastik einsparen, indem man eine Mehrwegdose, wie beispielsweise eine Tupperbox oder Edelstahlbox, mitnimmt, in die die entsprechenden Waren verpackt und transportiert werden.
  • Und wie bekommen wir die Einkäufe nach Hause? Idealerweise in Mehrwegtragetaschen oder im eigenen Rucksack oder Jutebeutel.
  • Eine weitere Steigerung, um Einwegverpackungen beim Einkauf gänzlich zu vermeiden, ist der Einkauf in einem »Unverpackt-Laden«. Bei diesem werden die Lebensmittel ohne Verpackung angeboten. Die eigenen, mitgebrachten Mehrwegbehältnisse dienen als Verpackung. Sie werden eigenständig befüllt; bezahl wird nach Gewicht.