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Klimagerechte Gärten

Mit den richtigen Ideen zu einem ökologisch wertvollen Garten 

Die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen immer weiter an, Niederschläge bleiben im Sommer teils über Wochen aus, die Vegetation vertrocknet. Die Auswirkungen der globalen Erderhitzung werden immer deutlicher sichtbar. Auch vor unseren Gärten macht die fortschreitende Klimakrise keinen Halt.

Ein schöner Garten macht glücklich, bietet für Körper, Geist und Seele gleichermaßen viel und gibt uns Ruhe und Kraft. Wir brauchen jeden Quadratzentimeter Grün, denn Pflanzen produzieren Sauerstoff, binden CO2, reinigen die Luft und kühlen unsere Umgebung und unser Wohnumfeld! Deshalb tun wir gut daran, unsere Gärten, Fassaden und Dächer dicht mit Pflanzen zu bestücken. So kann sich jede und jeder sein eigenes Paradies schaffen - mit kostenlosen Pflanzen-Klimaanlagen!

Im Folgenden geben wir Ihnen elf Tipps, wie Sie Ihren Garten klimaresilienter gestalten können und dabei einen Beitrag zu mehr Klimaschutz leisten.

1. Wohnhaus und Wohnumfeld eingrünen

Klimarelevanz: Wegen der Klimaerwärmung müssen wir mit zunehmend heißeren und trockeneren Sommern rechnen. Eine artenreiche und vielfältige Eingrünung der Wohngebäude kühlt unser Lebensumfeld (Verdunstungskälte), reinigt die Luft und spendet Schatten.

Maßnahmen: Je mehr kühlende und schattenspendende Pflanzen rund um das Wohnhaus gepflanzt werden, desto angenehmer das Mikroklima. Die Pflanzen wirken wie eine „biologische und kostenlose Klimaanlage“.

Darüber hinaus liegt ein großes Potential in der Begrünung von Fassaden und Dächern! Der größte Verhinderungsgrund ist fehlendes Wissen. Dabei liegen die baubiologischen, klimatisierenden und ressourcenschonenden Vorteile klar auf der Hand. Ob ihr Dach theoretisch für eine Dachbegrünung geeignet ist, können Sie in unserem Gründachkataster überprüfen: Gründachpotenzialkataster

Für Fassadenbegrünungen kann auf langjährig und bestens erprobte Gitter- und Seiltechniken zurückgegriffen werden, die Pflanzen 20 cm vor dem Haus wachsen lassen, ohne den Putz in Mitleidenschaft zu ziehen.


2. Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren

Klimarelevanz: In Deutschland gibt es rund 950.000 ha Gärten. Insgesamt wurden 2018 im Bereich "Haus- und Kleingarten" 6200 Tonnen Pflanzenschutzmittel verkauft und in vielen Gärten eingesetzt. Das ergibt rechnerisch 6,7 kg Pflanzenschutzmittel pro Hektar (zum Vergleich: Die Landwirtschaft nutzt "nur" 5,2 kg/Hektar!). Pflanzenschutzmittel erhöhen in Herstellung und Anwendung die Treibhausgasbilanz.

Maßnahmen: Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der Präparate nicht zulassungsgemäß und nicht sachgerecht angewendet werden und unsere natürlichen Lebensgrundlagen dadurch unnötig belasten. Heute stehen intelligente, umwelt- und klimaschonende Verfahren zur Stärkung der Pflanzen und Regulierung von Krankheiten und Schädlingen zur Verfügung. Unter anderem selbst hergestellte Pflanzenbrühen (zum Beispiel Brennesseljauche) und der Einsatz von Kulturschutznetzen.

3. Lebensraum und Nahrung für Tiere schaffen

Klimarelevanz: Viele Gärten sind ausgeräumt und monoton; sie bieten Insekten und Vögeln weder Nahrung noch Lebensraum bzw. Nistmöglichkeiten. Kommt eine starke Versiegelung - beispielsweise durch Steinplatten und "Schottergärten" - hinzu, fürht dies zu einer enormen Aufheizung im Sommer. Die gespeicherte Wärme wird nachts wieder abgegeben und führt somit zu Tropennächten, in denen uns das Schlafen schwerfällt.

Maßnahmen: Insekten, Nützlinge, Wild- und Honigbienen, Vögel und Igel fühlen sich in „echten“ Gärten wohl, wo vielfältig blühende Pflanzen (am besten ungefüllt) gedeihen und ein "wildes Eck" mit Reisig und Steinhaufen Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Deshalb: Verzichten Sie auf Schottergärten mit Plastikfolien, wenn Sie einen Beitrag zur Biodiversität leisten möchten!

4. Mehr Wildheit wagen

Klimarelevanz: Viele Gärten in Deutschland sind immer noch geprägt von Ordnung, Sauberkeit, geharkten Wegen ohne „Unkraut“ und viel Rasen, abgegrenzt von Kirschlorbeer- oder Thujahecken.

Maßnahmen: Wagen Sie etwas mehr Wildheit! Aufgeräumte, stereotype Gärten sind optisch langweilig und für Tiere wenig attraktiv. Es muss nicht immer alles akkurat zurückgeschnitten werden, Laub kann auch mal liegen bleiben, und Fugen dürfen auch begrünt sein.

5. Selbst kompostieren

Klimarelevanz: Zur Düngung werden vielfach Handelsdünger in überhöhten Mengen verabreicht. Die Herstellung, insbesondere von Stickstoffdünger, ist sehr energieintensiv. Eine Faustzahl sagt: Zur Herstellung von 1 Kilogramm Dünger braucht man 2 Liter Erdöl. Die meisten Gartenböden sind nachweislich insbesondere mit Phosphor und Kalium überversorgt.

Maßnahmen: Eine Bodenanalyse (beispielsweise bei der LUFA in Speyer) hilft, den Zustand des eigenen Gartenbodens und seinen eventuellen Nährstoffbedarf festzustellen. Selber kompostieren schließt den Nährstoffkreislauf. Eine jährliche Gabe mit 3-5 l/m² im zeitigen Frühjahr reicht völlig aus! Wichtiger Klimaaspekt: Eine regelmäßige Düngung mit Kompost erhöht den Humusgehalt im Boden. Humus ist ein wichtiger Speicher für klimaschädigendes CO2!

6. Der Rasen als Klimaverlierer

Klimarelevanz: Der klassische, sattgrüne „englische Rasen“ verlangt einen ausgesprochen hohen Pflege- und Resourcenaufwand: Düngen, Unkraut bekämpfen, Herbizide einsetzen, bewässern, vertikutieren, mähen, Rasenschnitt entsorgen... Hier werden große Mengen an CO2 und Lachgas freigesetzt. Die Idealvorstellung vom allzeit sattgrünen-dichten Rasen hat einen hohen Preis. Dem gegenüber steht die geringe ökologische Wertigkeit. Zudem bieten die nur 4-5 cm hohen Vegetationsdecken im Gegensatz zu einer Wildblumenwiese für Insekten keinen Lebensraum. In den vergangenen Jahren sind viele Rasenflächen aufgrund der langen Dürrephasen im Sommer meist vertrocknet und verbrannt. Wir müssen davon ausgehen, dass die Klimaerwärmung weiter voranschreitet und der intensive Rasen zu den Klimaverlierern im Garten gehören wird.

Maßnahmen: 

  • Intensive Rasenflächen, die nicht für Sport, Spiel und Repräsentation benötigt werden, extensivieren: Nicht düngen, nicht bewässern, nur 1-2 mal mähen (in den ersten Jahren – je nach Bodengüte – Abfuhr des Mähgutes). Durch das Abmagern und den Düngeverzicht gehen die Gräser zurück und machen Platz für standortypische Blütenpflanzen. Beobachten Sie, was passiert - Sie werden staunen!
  • Mehr Blumenrasen, Blumenwiese oder trockenheitsverträgliche Rasenersatzpflanzen setzen. Das bedeutet weniger Arbeit und gibt der Natur einen wertvollen Teil für die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren zurück.
  • Wenn Rasen, dann Mulchmäher oder Mähroboter verwenden, damit der Rasenschnitt auf der Fläche verbleibt (geschlossener Nährstoffkreislauf, kein zusätzlicher Dünger notwendig!). Oder: Rasenschnitt zum mulchen von Gemüse, Baumscheiben und Stauden verwenden. Mit der Bitte um Beachtung: Mähroboter nicht nachts laufen lassen zum Schutz von nachtaktiven Tieren!
  • Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und mähen Sie doch einmal ein Labyrinth in den Rasen oder kleine, blühende Kunstwerke.
  • Schattenspendende Bäume und Sträucher strategisch einpflanzen - auch und besonders in große Rasenflächen!

7. Nur die Harten dürfen in den Garten

Klimarelevanz: Anfällige Pflanzen erfordern einen zu hohen Pflanzenschutzmittelaufwand (siehe Punkt 2).

Maßnahmen: Standortgerechte, robuste und widerstandsfähige Arten und Sorten sind aktiver Natur- und Klimaschutz. Allseits bekannt, aber in den Gärten immer noch viel zu selten gepflanzt sind die robusten ADR-Rosen, die schorf- und mehltaufesten Apfelsorten (Re-Sorten, Topaz, Santana und viele andere) sowie weitere robuste, widerstandsfähige und weniger anfällige Pflanzenarten und -sorten.

8. Wasser sammeln und bevorraten - im Boden

Klimarelevanz: Die Sommer werden immer trockener und heisser, häufig fällt über Wochen und Monate kein Regen, von regionalen Starkregenreignissen abgesehen.

Maßnahmen: Das Sammeln von Wasser hat eine lange Tradition. Meist werden dazu Wasserfässer oder Zisternen genutzt. Der Einbau von Zisternen ist allerdings aufwändig und kostspielig, weshalb Fässer eine günstige Alternative farstellen.
Darüber hinaus bietet es sich an, Regenwasser-Sammler ("Regendieb") in die Fallrohre vom Dach einzubauen. Über einen Schlauch wird das gesammelte Wasser in den Garten geleitet und versickert dort. Der Gartenboden dient so ganzjährig als kostenloser Wasserspeicher, aus dem bei Trockenheit im Sommer das zusätzlich gespeicherte Wasser wieder in die oberen Bodenschichten aufsteigen kann und Ihre Pflanzen versorgt.

Ergänzende Maßnahmen:

  • Ganzjährig mulchen mit im Garten anfallenden Materialien wie Grasschnitt, und Häcksel.
  • In sehr warmen Regionen, bei leichten Böden und wenig Niederschlägen: Trockenheitsverträgliche Pflanzen bevorzugen.
  • Möglichst in den Morgenstunden gießen.
  • Durch eine gezielte Tröpfchenbewässerung kann - im Vergleich zu Kreisregnern, bei denen ein beträchtlicher Teil des Wassers verweht oder verdunstet - 30-50 % Wasser eingespart werden.

9. Umweltfreundliche Materialen verwenden

Klimarelevanz: Viele Utensilien für den Garten haben durch die Produktion oder die langen Transportwege einen hohen CO2-Fußabdruck.

Maßnahmen: Ob Terrassenbeläge, Wegbefestigungen, Pergolen, Gartenlauben, Zäune oder Gartenmöbel. Bei allem was wir im Garten verwenden, sollten wir uns fragen, woher es kommt und mit welchem Aufwand es produziert und transportiert wurde. Als Alternative zu Granit aus China bietet sich heimischer Sandstein an. Einheimisches Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist - im Vergleich zu Tropenhölzern, die eine weite Reise hinter sich haben und die letzten Regenwälder zerstören - immer eine gute Wahl. Wenig bekannt ist bislang, dass regionale Hölzer, wie bspw. das gerbstoffreiche Holz der Esskastanie, ohne Imprägnierung auskommen und daher für den Außenbereich ideal geeignet sind.

10. Ferien im eigenen Garten

Klimarelevanz: Insbesondere Fernreisen mit dem Flugzeug beschleunigen den CO2-Anstieg und damit den Klimawandel.

Maßnahmen: Der eigene Hausgarten oder der Schrebergarten ist eine klimafreundlich zu erreichende Urlaubsoase und bietet sich als idealer Rückzugsort und privates Fitnessstudio an. Neben Ruhemöglichkeiten und Spielraum für Kinder, bieten Gärten Raum für soziale Kontakte „über den Gartenzaun“ und das Ganze ohne nervenaufreibende An- und Abreise! So günstig und umweltfreundlich kann man sonst nirgends Urlaub machen!

11. Workout im Garten - Handgeräte statt Maschinen

Klimarelevanz: Elektrischer Rasenmäher, Benzin-Aufsitzmäher, Motorkettensäge oder Motorfräse brauchen viel Energie – für die Herstellung und den Betrieb.

Maßnahmen: Motorgetriebene Geräte waren gestern! Heute macht Mann/Frau solche Dinge wieder mit den entsprechenden Handgeräten, denn die haben allesamt einen hohen Fun- und Fitnessfaktor. Handsäge, Axt, Spaten und Rechen, und insbesondere der handbetriebene Rasenmäher zeigen einem spätestens am nächsten Tag, wie universell das Muskeltraining war, nämlich am Muskelkater!

Und wer es richtig authentisch mag: Das absolute und ultimative neue Trend-Fitnessgerät für alle Gärtnerinnen und Gärtner ist die Sense: schweißtreibend, kräftezehrend, technisch anspruchsvoll, das ideale Ganzkörpertraining mit Muskelaufbaugarantie!